Mittwoch, 8. August 2012

Rezension ♣ Delirium - Lauren Oliver


Bildquelle*

Titel: Delirium
Autorin: Lauren Oliver
Genre: Dystrophie
Verlag: carlsen
Erscheinungsdatum: November 2011
Format: Hardcover mit Schutzumschlag
Seitenzahl: 416
Preis: 18,90€
ISBN: 978-3-551-58232-4




Kurzbeschreibung:
Früher, in den dunklen Zeiten, wussten die Leute nicht, dass die Liebe tödlich ist. Sie strebten sogar danach, sich zu verlieben. Heute und in Lenas Welt ist Amor Deliria Nervosa als schlimme Krankheit identifiziert worden. Doch die Wissenschaftler haben ein Mittel dagegen gefunden. Auch Lena steht dieser kleine Eingriff bevor, kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Danach wird sie geheilt sein. Sie wird sich nicht verlieben. Niemals.
Aber dann lernt sie Alex kennen. Und kann einfach nicht mehr glauben, dass das, was sie in seiner Anwesenheit spürt, schlecht sein soll.
Quelle*

Gestaltung:
Das Cover sieht wunderschön aus! Die Idee, das Wort "Liebe" über den ganzen Umschlag zu verteilen ist sehr schön umgesetzt worden. Hübsch finde ich auch, dass das Gesicht des Mädchens auf der Klappseite weiterverläuft. Die beerige Farbe passt gut zur Geschichte und wirkt sehr harmonisch. Aber auch ohne Schutzumschlag sieht das Buch toll aus: es ist ungefähr kupferfarben, die Wörter des Buchrückens wurden eingestanzt. Von innen ist das Buch auch beerenfarbig und bei jedem neuen Kapitel - die übrigens in der selben schönen, geschwungen Schrift wie der Buchtitel geschrieben sind - werden Teile aus dem "Buch Psst" und anderen Lehrbüchern zitiert; eine sehr interessante Idee.
Delirium wurde so liebevoll und schön gestaltet. Das deutsche Cover finde ich außerdem auch besser - ich sagte ja bereits, dass ich diese ausdruckslosen Cover nicht besonders mag.

Erste Sätze:
»Es ist jetzt vierundsechzig Jahre her, dass der Präsident und das Konsortorium die Liebe als Krankheit identifiziert haben, und vor dreiundvierzig Jahren haben die Wissenschaftler ein Heilmittel dagegen entwickelt. In meiner Familie haben alle den Eingriff bereits hinter sich. Meine ältere Schwester Rachel ist jetzt seit neun Jahren gesund. Sie ist jetzt schon so lange gegen die Liebe immun, dass sie sagt, sie erinnere sich noch nicht einmal an ihre Symptome.«

Zum Buch:
Delirium spielt in der Zukunft, in der die Liebe als Krankheit gilt. Durch die Evaluierung wird jeder unter 18. befragt und ausgewertet, danach einer Ausbildung oder weiterbildenden Schule und einem Partner zugewiesen, den sie danach heiraten müssen. Außerdem wird festgelegt, wie viele Kinder sie zeugen müssen. Nach dem 18. Geburtstag werden Teile des Hirns herausgeschnitten, wodurch danach weder Liebe noch sonstige Gefühle (Hass, Schmerz, Verlangen etc.) empfunden werden können. Aber nicht nur zum Partner, sondern auch für die eigenen Kinder kann man keine Liebe empfinden. Außerdem gibt es Grenzen, eine Ausgangssperre, der Stadt hat die Kontrolle über das Internet, kann sich in Telefongespräche einschalten, Wachen patrouillieren regelmäßig, man darf sich nicht lange berühren und Mädchen und Jungen leben getrennt.
In dieser Welt lebt die 17-jährige Lena. Sie vertraut dem System, bis sie Alex kennenlernt. Und als sie sich näher kommen und sie etwas für ihn empfindet, bemerkt sie, dass sie ihr ganzes Leben lang in einer großen Lüge gelebt hat.

Schon von Anfang an ist die Welt, in der Lena lebt, sehr interessant. Schritt für Schritt versteht man, wie das System läuft. Die Idee, die Liebe als Krankheit zu sehen, finde ich sehr originell und wurde von der Autorin gut umgesetzt.
Die Geschichte an sich stolperte allerdings eher vor sich hin und wirkte teilweise sehr schwunglos und langatmig, obwohl ich wirklich daran interessiert war, wie es weiter geht. Zwar gab es zwischendurch auch ein paar schockierende und spannende Szenen, diese sind aber relativ schnell wieder verklungen. Auch waren bestimmte Sachen ziemlich vorhersehbar.
Der Schreibstil ist sehr poetisch, mit vielen Metaphern und Personifizierungen, was mir sehr gut gefallen hat. Dadurch wirkten allerdings auch bestimmte Stellen nicht besonders spannend. Er ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, wodurch man Lenas Handlungen relativ gut verstehen kann, auch wenn sie manchmal etwas naiv oder überstürzt handelt.
Lena ist ein sehr ruhiges und schüchternes Mädchen, die das System und die Regeln für richtig hält und ihnen vertraut. Nachdem sie Alex näher kennengelernt hat, zweifelt sie daran und wird rebellischer. Innerhalb des Buches macht sie eine große Wandlung durch, was mir sehr gut gefallen hat. Alex ist das genaue Gegenteil von Lena, trotzdem passen die beiden gut zusammen. Er hat eine beruhigende und liebenswerte Art, so dass man ihn schnell ins Herz schließt. Ihre Liebesbeziehung bahnt sich nur sehr langsam an, ist hübsch nachzuverfolgen und nicht kitschig, was ich wirklich gut finde, da es sehr angenehm zu lesen war. Und dann ist da noch Hanna, Lenas beste Freundin. Sie ist hübsch und hält nicht besonders viel vom System. Sie möchte ihren Spaß haben und verbringt manchmal die Nächte auf illegalen Partys. Auch wenn sie und Lena recht unterschiedliche Mädchen sind, so sind sie doch sehr gute Freundinnen. Meiner Meinung nach sind die Charaktere sehr tiefgründig, das gilt auch für die Nebencharaktere, auch wenn diese nicht besonders groß erläutert wurden. Ich konnte mir gut vorstellen, dass es diese Personen wirklich gibt.
Ungefähr die letzten hundert Seiten habe  ich verschlungen, weil besonders das Ende sehr spannend und actionreich war. Auch endete es sehr unerwartet und leider mit einen kleinen Cliffhanger, aber dadurch freue ich mich schon auf den zweiten Band.

Delirium ist ein guter Auftakt der Armor-Trilogie mit kleinen Schwächen, der mir ein paar schöne Lesestunden beschert hat.

Sonstiges:
Delirium ist der erste Band einer Trilogie, Band zwei (Pandemonium) erscheint am 25. Oktober 2012. Von Lauren Oliver ist außerdem noch das Buch Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie auf deutsch erschienen.

Über die Autorin:
Schon als Kind hat Lauren Oliver leidenschaftlich gern Bücher gelesen und dann Fortsetzungen dazu geschrieben. Irgendwann wurden daraus ihre eigenen Geschichten. Sie hat Philosophie und Literatur studiert und kurz bei einem Verlag in New York gearbeitet. Dort bestand ihr Beitrag hauptsächlich darin, die Kleiderordnung zu missachten und immer wieder den Drucker kaputt zu machen. Lauren Oliver lebt in Brooklyn. Nach »Wenn du stirbst..«. ist dies ihr zweiter Roman.

Zitate:
»Herzen sind zerbrechlich. Deshalb muss man so vorsichtig damit sein.« (Seite 12)
»Selbstmord. Ein Wort, das zur Seite gesprochen wird, ein Wort, das die Leute flüstern, wispern und hüsteln; ein Wort, das hinter vorgehaltener Hand gesagt oder in verschlossenen Räumen gemurmelt wird.« (Seite 15)
»Es ist komisch, wie das Leben funktioniert. Man will etwas und wartet und wartet und es kommt einem ewig vor, bis es eintritt. Dann ist es endlich so weit und es geht vorbei und dann möchte man nichts lieber, als sich in den Moment zurückzuziehen, bevor sich die Dinge verändert haben.« (Seite 49)
»Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir alle wissen, das Ende rückt näher. Die meisten von uns werden sich nach dem Schulabschluss nicht wiedersehen, und selbst wenn, wird es anders sein.« (Seite 89)
»Alle, denen du vertraust, alle, von denen du glaubst, du könntest auf sie zählen, enttäuschen dich irgendwann.« (Seite 104)
»Eine Welt ohne Angst. Unmöglich.« (Seite 125)
»Tiere, denke ich. Wir sind Tiere(Seite 208)
»Mir wird klar, wie klein alles ist, unsere ganze Welt, alles, was wir für wichtig halten - unsere Geschäfte, unsere Razzien, unsere Berufe, unser ganzes Leben. Und die Welt dreht sich immer weiter, die Nacht wird zum Tag und wieder zu Nacht, ein endloser Kreislauf; die Jahreszeiten wechseln und verändern sich wie ein Monster, das sein Fell abwirft, bevor ihm ein neues wächst.« (Seite 217)
»Alles wird gut. Worte, die in Wirklichkeit nichts bedeuten, nur Geräusche, die wir in die endlose Weite und Dunkelheit sprechen, verzweifelte kleine Versuche, uns im Fallen an etwas festzuklammern.« (Seite 236)
»Das Leben ist seltsam. Es schleppt sich weiter dahin, blind und unbewusst, selbst wenn deine kleine private Welt - dein kleiner zurechtgeschnitzter Bereich - sich dreht und verändert oder ganz auseinanderbricht.« (Seite 285)
»Das ist wohl einfach ein Teil davon, Menschen zu lieben: Man muss Dinge zurücklassen. Manchmal muss man sogar die Menschen selbst zurücklassen.« (Seite 354)
»Ich weiß, dass es - einzig und allein - darum geht, die Dinge zu finden, die wichtig sind, und daran festzuhalten und für sie zu kämpfen und sie niemals loszulassen.« (Seite 358)

Bewertung:
Cover: ●●●●●
Schreibstil: ●●●●◐
Idee: ●●●●◐   
Charaktere: ●●●●○
Humor: ●●○○○
Romantik: ●●●◐○
Spannung: ●●●○○
Handlung: ●●●◐○

Insgesamte Wertung: 7,8 / 10

Mehr Infos:
Über das Buch
Über die Reihe
Über die Autorin
Leseprobe
Hörprobe 

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*Bild- und Textquelle: http://www.carlsen.de/junge-erwachsene/hardcover/delirium/19561

Kommentare:

  1. Delirium hat mir auch sehr gut gefallen, aber Band 2 ist noch besser udn viel spannender wie ich finde!
    LG

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  2. Abgesehen vom Ende fand ich Delirium eher lahm.

    Ich frag mich gerade, ob das kroatische Cover vom deutschen abgekupfert ist, oder andersrum?^^

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  3. Tolle Rezi. Mich beunruhigt der poetische und Metaphern reiche schreibstil. Ist ja eher nicht so was für mich.
    Die Idee die Cover der anderen Länder mit einzubringen finde ich richtig toll. Wo hast du die her?

    Lieben Gruss, Iris

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    1. Auf der Homepage der Autorin standen pro Land auch der Verlag, also hab ich sehr lange gegoogelt. Bis ich dann festgestellt habe, dass man auf goodreads auch die ganzen Cover sehen kann, also habe ich die restlichen von da. ;)

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    2. Sehr sehr cool.
      Hast du was dagegen wenn ich die Idee von dir mopse ;-)

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    3. Kannst du ruhig machen. :) Ich dachte eben nur, dass es auch mal interessant ist, die Cover von anderen Ländern zu sehen. ;)

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  4. Hallo Eva , ich habe einen Arward für dich http://lieblings-buecher.blogspot.de/

    Du hast endlich Delirium gelesen:) Das freut mich :) Ich mag das Buch so so so

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  5. tolle review :)
    Ich würde mich freuen, wenn du auch meinen Blog besuchen würdest, vielleicht gefällt er dir :-)
    -> Mein Blog

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